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Nahaufnahme männlicher Hände, die ein Wasserglas und zwei Tabletten halten: Antibiotika gehören zu den bedeutendsten Meilensteinen der Medizin. Doch falscher und zu häufiger Einsatz fördert Antibiotikaresistenzen.
Vorsorge

Antibiotikaresistenzen: So erhalten wir den Lebensretter Antibiotikum

Antibiotika sind aus der Medizin nicht mehr wegzudenken. Sie bekämpfen bakterielle Infektionen, die ohne Antibiotikum auch tödlich verlaufen könnten. Doch falscher und zu häufiger Einsatz fördert Antibiotikaresistenzen. Resistente Bakterien vermehren sich und werden zur Gefahr für Mensch und Tier. Wie können wir diese Entwicklung aufhalten, damit Antibiotika auch morgen noch wirken und uns schützen?

Dieser Schimmelpilz hat die Welt verändert und unzählige Leben gerettet: Penicillin. Die Mutter aller Antibiotika ist eigentlich Schimmel, mit einer beeindruckenden Wirkung. Antibiotika gehören zu den bedeutendsten Meilensteinen der Medizin. Seit ihrem ersten Einsatz 1941 konnten damit zahlreiche bakteriell ausgelöste Infektionen geheilt und Menschenleben gerettet werden. Wir haben uns daran gewöhnt – vielleicht zu sehr. Denn Antibiotikaresistenzen bedrohen die Wirkung dieser mächtigen Medizin.

So entstehen Antibiotikaresistenzen

Antibiotika sind Wirkstoffe, die das Wachstum von Bakterien hemmen oder diese abtöten. Doch immer häufiger greift das nicht mehr. Antibiotikaresistenzen setzen diesen Mechanismus außer Kraft. Resistent bedeutet, dass ein Bakterium unempfindlich gegen ein bestimmtes Antibiotikum ist. Das passiert durch Mutation. „Durch Zufall kann sich das Erbgut eines Bakteriums verändern und neue Eigenschaften erhalten. Ein bisher wirksames Antibiotikum ist dann plötzlich völlig nutzlos“, erklärt Dr. Andrea Wienecke. Die Apothekerin mahnt: „Da zudem jedes Antibiotikum neben den krankmachenden immer auch nützliche, körpereigene Bakterien abtötet, hat das resistente Bakterium freie Bahn – es kann sich besonders gut vermehren. Und die bisherige Antibiotika-Behandlung hilft nicht mehr.“

Dr. Andrea Wienecke

Apothekerin bei der AOK NORDWEST

Makroaufnahme von blauen und weißen Tabletten: Antibiotika bekämpfen bakterielle Infektionen, die ohne Antibiotikum auch tödlich verlaufen könnten.

Irgendwann helfen nur noch die sogenannten Reserve-Antibiotika. Diese werden verabreicht, wenn das krankmachende Bakterium gegen die herkömmlichen Antibiotika resistent ist. Das ist die allerletzte Option. Diese Medikamente sollen nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden, da sie zum Teil schwere Nebenwirkungen auslösen können. Aber auch hier gilt: Werden sie zu häufig eingesetzt, wirken sie irgendwann nicht mehr.

Antibiotika werden unwirksam – das sind die Ursachen für Resistenzen

Antibiotika gelten bei vielen als Allheilmittel für jede Art von Infekt: Schnell wieder fit werden, bloß nicht zu lange im Job krank sein, das Kind rasch wieder in die Kinderbetreuung schicken – ein Antibiotikum soll es richten.

Deshalb werden Antibiotika zu häufig, falsch und sorglos eingenommen. Um dies zu ändern, sind alle gefragt:

  • Jeder einzelne
  • Ärzte
  • Kliniken
  • Verantwortliche der Gesundheitspolitik
  • Internationale Organisationen wie EU und Weltgesundheitsorganisation WHO. Ihre Aktionen haben das Ziel, die Resistenzen global einzudämmen.

Neben dem unkritischen Einsatz bei Menschen sehen Experten als weitere Hauptursache für diese besorgniserregende Situation den inzwischen verbotenen Einsatz von Antibiotika in der Tiermast und den Einsatz in der Massentierhaltung.

Faktencheck: Antibiotika und Resistenzen

  • Antibiotika helfen Mensch und Tier mit krankmachenden Bakterien fertig zu werden.
  • Sie wirken nicht gegen Viren – nur gegen Bakterien.
  • Fehlerquelle: Antibiotika werden zu großzügig eingenommen oder falsch eingesetzt.
  • Besonders bei Kindern ist die exakte Einnahme, z. B. von Antibiotikasäften, wichtig. Beachten Sie außerdem die Zubereitungs- und Aufbewahrungshinweise.

Antibiotika töten Bakterien oder hemmen ihre Vermehrung. Resistente Bakterien überstehen das und vermehren sich. Sie geben diese genetische Mutation weiter, auch an Krankheitserreger. Die Folge: Resistente Bakterien werden häufiger. Antibiotika werden unwirksam.

Gülle und Klärschlamm: So kommen die resistenten Bakterien in unsere Umwelt

Was haben Gülle und Klärschlamm damit zu tun? Sie sind das Transportmittel für die resistenten Keime: Antibiotikareste werden ausgeschieden und gelangen mit dem Abwasser über die Kanalisation in die Kläranlage. In Kläranlagen wird unser Abwasser in verschiedenen Behandlungsstufen von Schmutz- und Nährstoffen befreit. In diesem Prozess werden auch Bakterien eingesetzt. Übrig bleibt dann der sogenannte Klärschlamm. Wird der Klärschlamm wieder der Umwelt zugeführt, zum Beispiel als Dünger, enthält dieser auch Bakterien, die möglicherweise inzwischen resistent geworden sind. Gülle aus der Landwirtschaft wirkt ähnlich in dieser Kette der Resistenzbildung: Wird sie in der Natur ausgebracht, können resistente Keime und Antibiotikareste in das Grundwasser sickern.

Viren und Bakterien – das sind die Unterschiede und Gemeinsamkeiten

 
  Viren Bakterien
Sichtbar im Lichtmikroskop Nein Ja
Sind Lebewesen Nein, sie sind Partikel (keine Zellen) Ja, sie sind Einzeller
Vermehren sich eigenständig Nein Ja
Antibiotika bekämpfen ihre krankmachende Wirkung Nein Ja

Antibiotika wirken nicht gegen Viren

Antibiotika helfen nur gegen Bakterien, bei Viren haben sie keine Wirkung. Ob es sich um eine Erkrankung, hervorgerufen durch Bakterien oder Viren handelt, ist auch für Ärzte nicht ganz so einfach zu erkennen. Um den Erreger, Resistenzen und eine wirksame antibiotische Therapie genau abzuklären, müsste ein Abstrich im Labor aufbereitet werden. Bis hier ein Ergebnis vorliegt, dauert es wegen der Inkubationszeit ein paar Tage. Mit Schnelltests lässt sich die Wahrscheinlichkeit einer bakteriellen Infektion eher abschätzen. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Arzt beraten.

Deutlichstes Beispiel für den oftmals unsachgemäßen Einsatz von Antibiotika sind Erkältungskrankheiten. Nur jede zehnte wird durch Bakterien ausgelöst. Fast immer sind Viren die Auslöser, gegen die Antibiotika aber wirkungslos sind.

Bakterielle Lungenentzündung, fieberhafte Harnwegsinfektionen und Zecken-Borreliose dagegen sind mit Antibiotika gut zu kurieren.

So werden Sie selbst aktiv

„Sagen Sie dem Arzt deutlich, dass Sie nicht unbedingt ein Antibiotikum wünschen“, ermuntert Dr. Wienecke alle Patienten. Ein erklärendes Gespräch im Arztzimmer zum Krankheitsverlauf und je nach Beschwerden schmerzstillende, fiebersenkende Mittel oder ein abschwellendes Nasenspray tragen oft schon viel zur Genesung bei, weiß Dr. Wienecke.  „Denn unser körpereigenes Immunsystem bewältigt leichte Infekte ganz alleine, Bettruhe unterstützt dabei.“ Immer seltener verschreiben Ärzte in Deutschland – und da vor allem Kinderärzte – Antibiotika. Ein Trend, der seit zehn Jahren anhält. „Wir müssen alle lernen, vorsichtiger und vor allem bewusster mit Antibiotika umzugehen!“, mahnt Dr. Wienecke.

Die Dosis macht’s: Nur richtig eingenommen wirken Antibiotika wirklich

So geht’s!

  • Falls es der Krankheitsverlauf zulässt, mit Schnelltests abklären, ob es eine bakterielle oder virale Infektion ist.
  • Mit dem Arzt klären, ob die bakterielle Infektion auch ohne Antibiotikum zu kurieren ist.
  • Antibiotika unbedingt streng nach Verordnung des Arztes einnehmen – das gilt für Dauer und Dosierung. Wichtige Einnahmehinweise erhalten Sie von Ihrem Apotheker.
  • Tipp: Die Verpackung aufheben oder den Namen des Medikaments notieren – für eventuell später auftretende Komplikationen.

So nicht!

  • Nehmen Sie niemals Antibiotika, die anderen verordnet wurden, auch nicht bei ähnlichen Beschwerden.
  • Keine Antibiotika auf Verdacht einnehmen.
  • Hören Sie nicht eigenmächtig mit der Einnahme auf, wenn die Symptome schwächer werden.
  • Trügerische Sicherheit: Antibiotika gehören nicht in die Reiseapotheke.

Wichtig ist: Vertrauen Sie Ihrem Arzt. Er kann einschätzen, wann Antibiotika unbedingt nötig sind. „Denn manchmal muss es ein Antibiotikum sein“, erklärt Dr. Wienecke. Das gilt besonders für Risikogruppen wie herzkranke Menschen, Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen oder Menschen mit Erkrankungen, wie z.B. fieberhaften Harnwegsinfekten, die unbehandelt Folgekrankheiten nach sich ziehen könnten.

Tipps zur Vorbeugung von Infektionen im Alltag

Wer Infektionen vorbeugt, wird seltener krank und braucht kein Antibiotikum. Das verringert die Gefahr von Resistenzen, der jeder entgegenwirken kann. Diese Vorbeugenden Maßnahmen können helfen:

  • Hygiene ist einer der wichtigsten Bausteine, um Infektionen zu vermeiden.
  • Die Mehrzahl aller Keime wird über die Hände übertragen: Man wischt sich über die Augen, die Nase oder den Mund. So dringen die Bakterien über die Schleimhäute in den Körper ein.
  • Kinder lernen Händewaschen als Ritual kennen: „Nach dem Klo, vor dem Essen, Händewaschen nicht vergessen.“
  • Empfohlene Schutzimpfungen wahrnehmen, denn Impfungen trainieren das Immunsystem und vermeiden so eine spätere Infektion.
Infografik so geht Händewaschen in 5 Handgriffen und 20 Sekunden - tatsächlich wird die Mehrzahl aller Keime über die Hände übertragen.
Infografik so geht Händewaschen in 5 Handgriffen und 20 Sekunden - tatsächlich wird die Mehrzahl aller Keime über die Hände übertragen.
  • Ernährung: Fleisch aus Massentierhaltung meiden – hier werden Antibiotika noch in großer Menge eingesetzt. Resistente Keime gelangen so über den natürlichen Kreislauf in den Körper.
  • Bettruhe und viel Schlaf statt Medikamente – falls das Immunsystem dies zulässt.
  • Zur Linderung Ihrer Beschwerden können auch fiebersenkende Mittel und abschwellende Nasensprays eingesetzt werden.
  • Tipp: Probieren Sie bewährte Hausmittel wie Kräutertees und Zwiebelsäckchen aus.
  • Nehmen Sie Antibiotika exakt nach Anweisung des Arztes ein.
Nachweis von Antibiotikaresistenz auf einer Petrischale: Jährlich sterben in Deutschland rund 2400 Menschen an den Folgen antibiotikaresistenter Erreger.

Kampagne: Lebensretter Antibiotikum retten

Jährlich sterben in Deutschland rund 2400 Menschen an den Folgen antibiotikaresistenter Erreger, das hat eine EU-weite Studie errechnet, an der auch das Robert-Koch-Institut mitgewirkt hat.

Eigentlich brauchen wir immer wieder neue Antibiotika. Eine große Herausforderung für die Pharma- Industrie: aufwendige Forschung und umfangreiche Tests kosten Zeit und Geld.

Antibiotikaresistenzen sind eine große Gefahr für die Menschen und fordern immer mehr Todesopfer. Andrea Wienecke appelliert daher: „Richtig eingesetzt können die Wirkstoffe Leben retten. Unnötig eingesetzt, besteht jedoch die Gefahr, dass die Bakterien schneller resistent werden und das Antibiotikum nicht mehr wirkt.“

Der bewusste Umgang mit Antibiotika ist das Anliegen der Kampagne „Damit Antibiotika auch morgen noch wirken“.

Die wichtigsten Infos zu Antibiotika und wie Sie Antibiotikaresistenzen aktiv vermeiden. Kompakter Überblick im Faltblatt:

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