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Bloggerin Kati Borngräber hat Martha im Quartier in Lübeck besucht: Hier funktioniert die Pflege nach dem Mehrgenerationen-Prinzip.
Pflege

Zu Hause versorgt: Pflege im Quartier

Bloggerin Kati Borngräber schreibt über ihre Herzensthemen: Geschichten über alte Menschen und die, die sie unterstützen. In unserer neuen #vorbessern-Serie stellt sie Menschen, Einrichtungen und Projekte vor, die für einen besonderen Umgang mit Pflegebedürftigkeit im Alter stehen.

Freitag ist ein besonderer Wochentag für Martha. Nachmittags macht sich die 85-jährige Witwe ein bisschen zurecht und verlässt ihre 1,5-Zimmer-Hochparterrewohnung im Lübecker Stadtteil St. Jürgen. Mit vorsichtigen Schritten überwindet sie die kleine Treppe hinunter zur Haustür des Mehrfamilienhauses. Im Treppenhaus parkt ihr Rollator, mit dem sie anschließend zwei Blöcke zurücklegt. Ihr Ziel: der Nachbarschaftstreff des Lübecker Bauvereins.

Einmal in der Woche gibt es dort für die Bewohner des Quartiers Kaffee und Kuchen. Dann lässt sich Martha am liebsten gleich zwei Stück Torte schmecken. „Wenn ich die kriege“, sagt sie und schmunzelt. Was aber noch viel wichtiger ist: Das niedrigschwellige Angebot des Bauvereins bringt die Menschen aus der Nachbarschaft zusammen. „Oft treffe ich alte Freundinnen wieder“, erzählt Martha, die schon seit ihrer Kindheit in St. Jürgen zuhause ist.

Eigenständig leben – dank Mehrgenerationen-Prinzip

Früher war Martha bei einer Zeitung angestellt, später arbeitete sie als Eilbotin. „Ich war die erste Frau bei der Post, die ein Auto fuhr“, berichtet sie stolz. Dass sie heute trotz eingeschränkter Mobilität eigenständig in ihrer Wohnung leben kann, verdankt sie einem breiten Netzwerk von Unterstützern aus ihrem Umfeld im Quartier. Das läuft nach dem Mehrgenerationen-Prinzip: Marthas Tochter kocht für sie, die Enkelin putzt die Wohnung und der Sohn besucht sie regelmäßig.

Ältere Dame mit Rollator, Frau im Hintergrund hilft: Dass Martha heute trotz eingeschränkter Mobilität eigenständig in ihrer Wohnung leben kann, verdankt sie einem breiten Netzwerk von Unterstützern im Quartier.

Außerdem kommt dreimal am Tag jemand vom Pflegedienst Rotkreuzschwestern ambulant zu Martha nach Hause. Die Mitarbeiter helfen ihr beim An- und Ausziehen der Kompressionsstrümpfe, erinnern sie daran, ihre Tabletten einzunehmen und genug zu trinken.

Baugenossenschaft kooperiert mit Pflegedienst

Auch die Leiterin der Rotkreuzschwestern ambulant, Ines Hoffmann, geht regelmäßig bei Martha und anderen pflegebedürftigen Bewohnern des Quartiers ein und aus. „Ich bin eine Macherin, ich brauche den Kontakt zu den Kunden“, sagt die erfahrene Krankenschwester. Seit sie den ambulanten Pflegedienst des Trägers DRK-Schwesternschaft Anfang 2016 in St. Jürgen eröffnet hat, ist ihr Team von vier auf 23 Mitarbeiter gewachsen. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad touren sie durch den Stadtteil, um pflegebedürftige Menschen zu versorgen.

Drei Damen und ein Herr lächelnd vor einer Hauswand: Im Lübecker Quartier kooperieren der Lübecker Bauverein und die DRK-Schwesternschaft.

Wie ist es zu der Kooperation mit der Wohnungsbaugenossenschaft gekommen? „Viele Mieter haben ihr ganzes Leben hier verbracht – und sind inzwischen in die Jahre gekommen“, sagt Marcus Keller vom Lübecker Bauverein. „Ihnen möchten wir ermöglichen, so lange wie möglich in der eigenen Häuslichkeit zu verbleiben.“ Deshalb entstand die Idee, einen Pflegedienst ins Quartier zu holen, der die Mehrgenerationenhilfe ergänzt.

Pflege im Quartier ist Vertrauenssache

„Am Anfang mussten wir erst einmal das Vertrauen der Mieter gewinnen“, sagt Ines Hoffmann. Unterstützt wurden die Rotkreuzschwestern dabei von den beiden Mitarbeiterinnen des Nachbarschaftstreffs St. Jürgen, Karola Klement und Manuela Kanschat.

Die Sozialpädagoginnen koordinieren ein Netzwerk aus rund 50 ehrenamtlichen Helfern im Quartier und organisieren neben dem Kaffeetrinken am Freitag zahlreiche weitere Angebote für die Mieter: vom Nähkurs über Straßenfeste bis hin zur Beratung zum altersgerechten Umbau der Wohnungen, den der Lübecker Bauverein auch finanziell unterstützt. „Dass der Pflegedienst in denselben Räumlichkeiten sitzt, erleichtert es den älteren Mietern, sich über Unterstützungsleistungen zu informieren und diese in Anspruch zu nehmen“, sagt Manuela Kanschat.

Eine Frau steht vor einem Backsteinhaus: Die Sozialpädagoginnen aus dem Nachbarschaftstreff St. Jürgen koordinieren ein Netzwerk aus rund 50 ehrenamtlichen Helfern im Quartier.

Besonders in Erinnerung geblieben ist dem Team das Engagement von Ines Hoffmann und ihren Mitarbeitern beim traditionellen „Angrillen“, zu dem sich die Mieter stets im Februar versammeln. „Da haben die Rotkreuzschwestern in ihrem ersten Jahr bei uns bereits tapfer Glühwein ausgeschenkt“, berichtet Karola Klement.

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Kati Borngräber

Bloggerin, kati cares

Kati Borngräber hat sich voll und ganz einer Sache verschrieben: dem Alter. Auf ihrem Blog „kati cares“ veröffentlicht die 38-jährige Hamburgerin inspirierende Geschichten rund um Senioren, Angehörige und Menschen aus der Pflege. Mit ihren Reportagen will die Redakteurin „dem Alter eine Stimme verleihen“. Auch auf aok-vorbessern.de lässt uns Kati teilhaben an ihren spannenden Recherchen zu einem Thema, das uns alle betrifft.

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