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Pflege

„Nur wer sich selbst pflegt, kann andere pflegen“

Zwei Jogger in voller Sportmontur: Laufen verbessert die Verblutung und wirkt sich positiv auf Zucker- und Fettstoffwechsel aus.

„Entspann dich mal!“ „Du musst auch an dich denken!“ Gut gemeinte Ratschläge. Doch so einfach ist das in einer Pflegesituation nicht. Wird ein geliebter Mensch zum Pflegefall, ist es für viele selbstverständlich, sich rund um die Uhr um ihn zu kümmern – bis zur Aufopferung. Damit das eigene Leben nicht auf der Stecke bleibt, sollten sich die Pflegepersonen körperlich und seelisch fit halten.

Ulrike Schmidt

Pflegeberaterin

Als Pflegeberaterin der AOK unterstützt Ulrike Schmidt Pflegebedürftige und pflegende Angehörige mit wertvollen Informationen und Hilfestellungen.

„Wenn wir die Angehörigen nicht hätten…“, sagt AOK-Pflegeberaterin Ulrike Schmidt und macht eine lange Pause. Familienmitglieder sind die Hauptstütze in der Pflege. Das ist eine große Verantwortung. Ein Elternteil, der Lebenspartner oder gar die eigenen Kinder werden pflegebedürftig – manchmal langsam und schleichend, manchmal auch sehr plötzlich. Die Rollen verändern sich. Von jetzt auf gleich wird das Leben einer ganzen Familie auf den Kopf gestellt.

Entspannen – wann denn bitte?

Wie gut die Situation aufgefangen wird, „hängt von den familiären Strukturen ab und davon, wie die Menschen gestrickt sind“, erzählt Ulrike Schmidt aus Erfahrung. Den Pflegebedürftigen beschäftigen, waschen, umziehen, beköstigen und umsorgen, daneben kochen, Wäsche machen, aufräumen, einkaufen, Termine organisieren und sich durch den Papierkram pflügen – ein Tag hat nur 24 Stunden und die sind schnell um. Viele überschätzen sich. „Ich schaffe das allein“, glauben sie und beißen sich durch. Für Entspannung? Keine Zeit! Dabei tragen sie auch für ihr eigenes Leben Verantwortung.

„Nur wer sich selbst pflegt, kann andere pflegen“, sagt Ulrike Schmidt. Sie weiß: Der Übergang zur Überforderung ist meist schleichend.

Das sind mögliche Folgen der Belastung:

Das sind mögliche Folgen der Belastung:

Erschöpfung Die Erholungsphasen werden immer kürzer, Sie fühlen sich ausgebrannt, energielos und müde. Und zwar permanent.

Schlaflosigkeit Der Pflegebedürftige ist nachts unruhig und ruft häufig nach Ihnen. Oder die eigenen Gedanken kreisen und rauben Ihnen den Schlaf. Morgens quälen Sie sich matt und erschlagen aus dem Bett.

Rückenschmerzen Regelmäßiges Aufrichten, Umbetten, Baden und Umziehen des Pflegebedürftigen belasten den eigenen Körper.

Einsamkeit Weil die Zeit fehlt, beschränken viele ihre sozialen Kontakte auf das Nötigste. Manchen ist auch die Pflegesituation unangenehm und sie ziehen sich unbewusst von ihren Freunden zurück – und wohlmöglich diese von ihnen.

Angst Sie fühlen sich überfordert und haben Angst, mit der Situation auf Dauer nicht zurecht zu kommen. Ein Gefühl der Ausweglosigkeit macht sich breit.

Krankheit Stress, Schlafmangel, keine geregelten Mahlzeiten: Kurzfristig hält das eigene Immunsystem das aus. Aber irgendwann ist es geschwächt.

Aggression und angespannte Nerven Für die Pflegebedürftigen wie auch für die Pflegepersonen ist die Situation neu und schwierig. Oft liegen allein dadurch die Nerven blank. Kommen womöglich noch Konflikte aus der Vergangenheit hinzu, erschwert die fehlende emotionale Distanz die Lage zusätzlich.

Schuldgefühle Eigentlich wollen Sie ja das Beste für die Person, die Sie pflegen. Starke Belastung und vielleicht mangelnde Wertschätzung aber machen Sie wütend – wofür Sie sich gleichzeitig wiederum schämen.

Alkohol und Beruhigungsmittel Manche Pflegepersonen greifen aufgrund der hohen Belastung zu Alkohol oder Psychopharmaka. Bei anderen können sich durch die Extremsituation bereits bestehende Suchtprobleme verstärken. In beiden Fällen leiden auf Dauer Körper und Psyche.

Mann blickt lächelnd nach vorn: Nutzen Sie regelmäßig Betreuungsangebote, um in Ruhe durchzuatmen und Kraft zu schöpfen.

Sechs Tipps zur Stärkung des eigenen Ichs

Hören Sie auf die Hilferufe Ihres Körpers! Wenn Sie feststellen, dass Sie Ihre neue Rolle zu sehr fordert, können Sie etwas tun. So entkommen Sie der Stress-Spirale:

#1

Informieren Sie sich

Sie sind nicht allein. Aber nur, wer die Angebote kennt, die ihm zustehen, kann sie auch nutzen. Damit Sie Pflege und Beruf besser vereinbaren können, gibt es die Pflegezeit und die Familienpflegezeit. Auch nicht berufstätige Pflegende sind sozial abgesichert.Wenn Sie Zeit für sich selbst brauchen, können Sie die Pflege über Angebote wie Tages- und Nachtpflege für eine gewisse Zeit in die Hände von Pflegediensten geben. Einen umfassenden Überblick finden Sie auf unserer Pflege-Seite auf aok.de

#2

Holen Sie frühzeitig Hilfe

Gönnen Sie sich persönliche Auszeiten und schöne Momente – und zwar nicht erst dann, wenn die Situation bereits verfahren ist und Sie kurz vor dem Zusammenbruch stehen. „Damit ist niemandem geholfen“, betont Pflege-Expertin Ulrike Schmidt. Denken Sie daran: Sich helfen zu lassen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke und Verantwortungsgefühl. Pflegeberater kommen zu Ihnen nach Hause und reden mit allen Beteiligten. Sie machen dem Pflegebedürftigen bei Bedarf auch deutlich, dass und warum der Pflegende Zeit für sich selbst braucht. „Da ist manchmal viel Empathie und Diplomatie gefordert“, so Ulrike Schmidt.

#3

Machen Sie einen Plan

Erarbeiten Sie sich eine Struktur und planen Sie die Wochen durch. „Wenn Sie zum Beispiel jeden Mittwochabend zwei Stunden in die Sauna gehen wollen, nehmen Sie in der Zeit ein Entlastungsangebot in Anspruch“, rät Schmidt. Gleiches gilt für Ihren Rückenkurs am Freitag. Sonntags kann vielleicht regelmäßig jemand aus der Familie oder aus dem Freundeskreis kommen, um Sie zu entlasten. Ob Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege, die Angebote lassen sich flexibel kombinieren.

#4

Finden Sie heraus, was Ihnen gut tut

„Der Tag ist meiner!“ Ob Sie Shoppen gehen, sich eine Massage gönnen oder es sich einfach mit einer Tasse Tee auf dem Sofa gemütlich machen – nutzen Sie regelmäßig Betreuungsangebote, um in Ruhe durchzuatmen und Kraft zu schöpfen.

#5

Verteilen Sie die Arbeit auf mehrere Schultern

Regelmäßig professionelle Pflegedienste einzuspannen, ist das eine. Doch nehmen Sie ruhig Ihr engstes Umfeld in die Pflicht. Auch der Schwager kann mal mit dem Pflegebedürftigen zum Arzt gehen und kochen müssen Sie auch nicht immer selbst. Wenn Sie die Pflege als Familie und gemeinsam mit Freunden und Bekannten stemmen, kann das auch das Gemeinschaftsgefühl stärken. Dabei sollten Sie die Aufgaben nicht fix verteilen, sondern immer wieder den Gegebenheiten anpassen.

#6

Vernetzen Sie sich

Einsamkeit macht auf Dauer krank. Treffen Sie sich mit der Familie, mit Freunden und unternehmen Sie etwas Schönes. Nutzen Sie aber auch die Gelegenheit, sich Probleme und negative Gedanken von der Seele zu reden. Das tut nicht nur gut. Im Gespräch kann man auch analysieren, warum man sich in dieser und jener Situation so und nicht anders verhalten hat. Sie erkennen dabei, wo die eigenen Grenzen liegen. So lassen sich mitunter innere und äußere Konflikte lösen. Womöglich wollen Sie sich vor einem persönlichen Gespräch zunächst lieber mit Personen austauschen, die sich in einer vergleichbaren Situation befinden. Nutzen Sie dafür das AOK-Pflegeforum.

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