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Pflege

Meine Oma und ich testen ein­ Pflegehotel

Kati und ihre Großmutter auf einem Steg an der Ostsee: Ein Pflege-Hotel bietet pflegenden Angehörigen seelische Unterstützung, Entspannung und eine Entlastung von der Pflegesituation.

Bloggerin Kati Borngräber schreibt über ihre Herzensthemen: Geschichten über alte Menschen und die, die Sie unterstützen. In unserer neuen #vorbessern-Serie stellt sie Menschen, Einrichtungen und Projekte vor, die für einen besonderen Umgang mit Pflegebedürftigkeit im Alter stehen.

Das Landhaus am Fehmarnsund im schleswig-holsteinischen Großenbrode der Arbeiterwohlfahrt ist kein gewöhnliches Hotel. Das AWO-Kurhaus hat sich auf eine besondere Art der Prävention und Erholung spezialisiert. „Unsere Gäste sind pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz, die hier seelische Unterstützung, wohltuende Anwendungen und eine Entlastung von der Pflegesituation erhalten“, sagt Carmen Stricker, die in der Verwaltung arbeitet. Konkret heißt das: Während die Menschen mit Demenz tagsüber Betreuungsgruppen besuchen, haben ihre Angehörigen Zeit für Massagen, Beratungsgespräche oder einfach nur für sich.

Ein tolles Konzept, finde ich. Und so habe ich beschlossen, das Pflegehotel an der Ostsee für ein Wochenende zu testen. Meine Oma begleitet und unterstützt mich dabei. Die 86-Jährige ist zwar geistig noch topfit, aber seit mein verstorbener Opa an Demenz erkrankte, wissen wir beide sehr gut, wie belastend das für die Familie sein kann.

Das Pflegehotel bietet Entlastung und Vorsorge für Angehörige

Im Hotelgarten begegnet mir Alfons. Er ist zusammen mit seiner an Demenz erkrankten Frau Gerda extra aus Hessen angereist. Normalerweise kümmert er sich mit Unterstützung seiner Tochter, eines Pflegedienstes und einer Tagespflege um Gerda und hilft im Familienbetrieb aus. Jetzt aber hat er Urlaub. Alfons ist Selbstzahler, die Kosten für den Aufenthalt und die Betreuung seiner Frau übernimmt zu einem Großteil die Pflegekasse. Andere pflegende Angehörige machen hier eine Kur, die von der Krankenkasse bezahlt wird. Sie bleiben in der Regel für drei Wochen und haben regelmäßig Anwendungen und Beratungsgespräche.

Tanzendes Seniorenpaar: Beim DJ-Abend können Pflegebedürftige und ihre Angehörigen gemeinsam zu Schlagern tanzen und die Belastung des Alltags vergessen.

Neben Ehepaaren sind unter den Gästen auch (erwachsene) Söhne und Töchter, die mit einem pflegebedürftigen Elternteil hergekommen sind. Während Alfons, Gerda und andere Gäste beim DJ-Abend zu Schlagern tanzen, gesellt sich eine junge Familie mit vier Kindern zu uns. Sie sollte eigentlich ins nahe gelegene AWO-Kurhaus Baltic, wurde aber aus Platzgründen in dem Pflegehotel einquartiert. Der Stimmung tut das keinen Abbruch – im Gegenteil: Die Kinder tanzen fröhlich mit und alle Beteiligten scheinen den Generationen-Mix zu genießen.

Für sich sein und doch zusammen

Ältere Dame im Rollator: Das Pflege-Hotel bietet Betreuungsgruppen für Menschen mit Demenz.

Am nächsten Tag schauen meine Oma und ich in der Betreuungsgruppe für Menschen mit Demenz vorbei. Sieben Gäste sitzen zusammen mit den beiden Alltagsbegleitern Rainer und Regine um einen großen Tisch, trinken Kaffee und unterhalten sich. Der Raum im Erdgeschoss des Pflegehotels ist hell und geräumig, überall stehen Bücher, CDs, Spiele und Nippes herum. Die Gespräche drehen sich um die Heimatstädte der Anwesenden – sicher, um ihre Erinnerungen an früher anzuregen.

Regine erzählt zum Beispiel, dass sie aus Hamburg kommt. „Sie doch auch, nicht wahr?“, fragt sie eine Dame, die ihr gegenüber sitzt und sogleich beginnt, von der Hansestadt zu schwärmen. Das inspiriert uns zum Singen und so schmettern wir „Ick heff mol en Hamborger Veermaster sehn.“

Heute ist es angenehm warm und so zieht es uns anschließend in den Garten des Pflegehotels an der Ostsee. Wir bilden einen Stuhlkreis und machen erst einmal ein bisschen Sitzgymnastik, angeleitet von Regine. Später spielen wir eine abgewandelte Form von „Stadt, Land, Fluss“, für die man keinen Zettel und Stift braucht, sondern die Begriffe einfach in die Runde ruft. Das beherrschen die meisten noch und so hat so mancher an diesem Vormittag ein kleines Erfolgserlebnis. Natürlich kommt auch mal jemand mit den Buchstaben oder Wörtern durcheinander. Aber dann helfen die anderen. Wenn jemand auf die Toilette muss, begleiten ihn Rainer oder Regine.

Gemeinsame Mahlzeiten mit den Angehörigen

Die Betreuungsgruppe geht von 9.30 bis 12 Uhr sowie von 14.30 bis 18 Uhr. Die Mahlzeiten nehmen die Gäste mit Demenz gemeinsam mit ihren Angehörigen zu sich. Für manche ist das genau das Richtige, denn sie sind es nicht gewohnt, so lange voneinander getrennt zu sein. Alfons findet die Betreuungszeit im Pflegehotel hingegen zu kurz für eigene Unternehmungen.

Er hat den direkten Vergleich, war er doch zuvor bereits im Landhaus Fernblick in Winterberg. Das erste Pflegehotel der AWO in Nordrhein-Westfalen bietet eine ganztägige Betreuung an, bei der die Gäste mit Demenz im Rahmen der Betreuungsgruppe zu Mittag essen – ohne ihre Partner. „Dadurch war der Kontakt und Erfahrungsaustausch mit den anderen pflegenden Angehörigen intensiver, ich habe meine Situation stärker reflektiert und viel dazu gelernt“, erzählt Alfons. Dass er seine Frau tagsüber kaum sah, störte ihn persönlich nicht. „Nur ganz allein wegfahren möchte ich nicht, denn dann würde sie mir nachts fehlen“, sagt er. Ins Landhaus am Fehmarnsund möchte er trotzdem wieder kommen. „Beim nächsten Mal beantrage ich aber eine Kur, um bei dem Aufenthalt mehr für mich zu tun“, so der 76-Jährige.

Älteres Pärchen von hinten hält Händchen: Die Mahlzeiten in dem Pflee-Hotel nehmen die Gäste mit Demenz gemeinsam mit ihren Angehörigen zu sich.

Tipps für den Aufenthalt im Landhaus am Fehmarnsund an der Ostsee

Pflegende Angehörige haben die Möglichkeit, eine Kur in dem Pflegehotel zu machen.

Für den Aufenthalt und die Betreuung der zu pflegenden Angehörigen können je nach Pflegegrad und bereits ausgeschöpften Leistungen folgende Gelder bei der Pflegekasse beantragt werden: Betreuungskosten, Entlastungsbetrag, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege im Rahmen einer stationären Kur des pflegenden Angehörigen.
Bis Ende Juni können Versicherte noch nicht ausgeschöpfte Leistungen aus dem Vorjahr abrufen (Paragraf 45 SGB XI Entlastungsbetrag).

Es gibt drei Pflegedienste nahe dem Pflegehotel, die bei Bedarf ins Landhaus kommen und ebenfalls mit der Pflegekasse abrechnen können.

Die Verwaltung des Landhauses am Fehmarnsund berät zum Anspruch auf Pflegeleistungen und übernimmt auf Wunsch die direkte Abrechnung mit der Pflegekasse. Hierfür müssen die Gäste eine Abtretungserklärung unterzeichnen.
Kati Borngräber

Bloggerin, kati cares

Kati Borngräber hat sich voll und ganz einer Sache verschrieben: dem Alter. Auf ihrem Blog „kati cares“ veröffentlicht die 38-jährige Hamburgerin inspirierende Geschichten rund um Senioren, Angehörige und Menschen aus der Pflege. Mit ihren Reportagen will die Redakteurin „dem Alter eine Stimme verleihen“. Auch auf aok-vorbessern.de lässt uns Kati teilhaben an ihren spannenden Recherchen zu einem Thema, das uns alle betrifft. Auf Katis Blog finden Sie außerdem weitere Informationen und Einblicke in Katis Aufenthalt im Landhaus am Fehmarnsund.

Lesen Sie mehr auf Katis Blog

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