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AOK-Pflegeberater Björn Uhr am Steuer: Im Pflegefall helfen die Pflegeberater der AOK NORDWEST schnell weiter.
Pflege

Aus dem Alltag eines Pflege­beraters: „Am Anfang steht die Über­zeugungs­arbeit“

Im Pflegefall helfen die Pflegeberater der AOK NORDWEST schnell weiter. Experte Björn Uhr gibt Einblick in typische Schicksale und erzählt, was betroffene Familien am meisten entlastet.

Pflegeberater Björn Uhr im Gespräch am Handy: Am Anfang steht oft Überzeugungsarbeit.

„Eigentlich kommen wir allein zurecht“, sagt die Frau leise. Mit diesem Satz hat Björn Uhr gerechnet. Als AOK-Pflegeberater spricht er fast täglich mit Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Heute telefoniert er zum ersten Mal mit Marlies Schröder*. Die 71-Jährige kümmert sich um ihren Mann Erwin, der seit einem Schlaganfall vor mehreren Jahren im Rollstuhl sitzt.

Als die Rentnerin im Kundencenter vorbeikam, bemerkte eine Mitarbeiterin die Erschöpfung von Frau Schröder. Für eine persönliche Pflegeberatung vermittelte sie den Kontakt zu Björn Uhr.

Zu viel Arbeit, zu wenige Schultern

Wie die Schröders werden viele Familien mit dem Thema Pflege konfrontiert: Nach einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder schweren Sturz kann ein Angehöriger nicht mehr allein für sich sorgen. Auch Krebs, Durchblutungsstörungen und Demenz führen oft zur Pflegebedürftigkeit. Pflegeberater Björn Uhr betreut Betroffene zwischen 0 und 107 Jahren, die meisten sind wie Erwin Schröder älter.

„In der Regel pflegen die Frauen“, erklärt der AOK-Pflegeprofi. „Selten gibt es helfende Hände. Die Arbeit lastet auf wenigen Schultern.“ Aus diesem Dilemma soll der Versorgungsplan helfen. Björn Uhr erstellt jährlich zahlreiche solcher Pläne. Und auch für Marlies Schröder möchte er so ein Bündel an entlastenden Maßnahmen schnüren. Dass die Seniorin Unterstützung braucht, liegt für ihn, der selbst schon gepflegt hat, auf der Hand.

Der Pflegeberater weiß nach dem Telefonat, was seine erste Aufgabe ist: „Am Anfang steht oft Überzeugungsarbeit. Da muss ich auch mal sagen: Wir ziehen das jetzt durch, sonst können Sie bald nicht mehr.“

Kurze Zeit später fährt Björn Uhr zu den Schröders. Durch Hausbesuche bekommt der Pflegeberater ein genaues Bild vom Unterstützungsbedarf. Erwin und Marlies Schröder leben in einem kleinen Einfamilienhaus. Die beiden erwachsenen Kinder wohnen mehrere 100 Kilometer weg, schauen nur gelegentlich vorbei. Unter Leute kommen die früher sehr aktiven Schröders kaum noch.

Wie viele Pflegende fühlt sich Marlies Schröder verpflichtet, persönlich für ihren Mann zu sorgen und hat sich bislang noch nicht einmal an Freunde gewandt.

Doch Björn Uhr überzeugt sie davon, dass es keineswegs egoistisch ist, Hilfe zuzulassen: „Wer rund um die Uhr pflegt, braucht hin und wieder Zeit für sich. Die Verhinderungspflege ist deshalb eine wichtige Entlastung.“

Verschnaufspausen für Pflegende

Nach einem halben Jahr Pflege können Betroffene die Verhinderungspflege beantragen. Das heißt: Ist der pflegende Angehörige verhindert – zum Beispiel durch einen Erholungsurlaub – hat der Pflegebedürftige zusätzlich zur Sachleistung Anspruch auf Ersatzpflege. Pflegehilfskräfte, Angehörige, Verwandte, Nachbarn oder Freunde können in so einem Fall die Ersatzpflege übernehmen.

Die Schröders können sich so langsam an diese Idee gewöhnen. Deshalb sucht Björn Uhr im Gespräch nach geeigneten Freunden. Er wird fündig: Marlies Schröder hat früher im Chor gesungen. Der AOK-Pflegeberater regt die Wiederbelebung ihres Hobbys an. Der Ehemann einer Chorfreundin ist ein alter Bekannter. Er wird sich während der Proben um Erwin Schröder kümmern und seinen Aufwand mit der Pflegeversicherung abrechnen.

Neben nahestehenden Personen können Profis wie Pflegedienste oder Einrichtungen der Kurzzeitpflege die Verhinderungspflege übernehmen. Das geht nicht nur stundenweise, sondern auch für ganze Tage, bis zu insgesamt sechs Wochen im Jahr. Einer 50-Jährigen, die ihre demente Mutter pflegt, hat Björn Uhr kürzlich zur Tagespflege geraten. Die Frau braucht selbst ärztliche Behandlung, ohne die sie nicht mehr lang pflegen könnte.

Bei Marlies Schröder macht sich der tägliche Knochenjob durch Rückenschmerzen bemerkbar. Ein Alarmsignal für Björn Uhr. Zeit zu handeln!

Ein erster Schritt, um die Pflegearbeit zu erleichtern, ist häufig die Umgestaltung der Wohnung: „Bei der Hälfte meiner Besuche geht es um Umbaumaßnahmen. Die Förderung von Treppenliften oder von begehbaren Duschen – das ist Tagesgeschäft.“

An die Arbeit

Im 1970er Jahre Bungalow von Familie Schröder ist die schmale Dusche mit hohem Einstieg das größte Hindernis. Pflegeberater Björn Uhr empfiehlt den Umbau in eine befahrbare Dusche. Für Maßnahmen zwecks barrierefreiem Wohnen gibt es von der AOK einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro.

Ein Umzug kommt für die Eheleute jedoch nicht in Frage. Den würde die Pflegeversicherung ebenfalls unterstützen: So betreut Björn Uhr auch eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern, deren jüngste Tochter an einer fortschreitenden Muskelerkrankung leidet. Mittlerweile ist Marie sechs Jahre alt. Der Mutter fällt es zunehmend schwer, sie die Treppen hochzutragen. Björn Uhr leitet den Umzug in eine Erdgeschosswohnung in die Wege.

Technische Hilfsmittel erleichtern Pflegenden den Alltag und können Pflegebedürftigen sogar etwas Selbstständigkeit zurückgeben. Erwin Schröder bekommt vom Hausarzt einen Dusch-WC-Rollstuhl verordnet. Damit kann er allein die neue Dusche befahren, ohne beim Duschen aufstehen oder sich umsetzen zu müssen. Auch professionelle Hilfe akzeptieren die Eheleute nach dem Gespräch mit dem AOK-Fachmann: Das Duschen wird ein Pfleger des Pflegedienstes übernehmen.

Der Alltag ist für Erwin und besonders Marlies Schröder dank der Pflegeberatung ein ganzes Stück leichter, nicht nur körperlich. Vor allem der soziale Kontakt tut ihnen gut.

Dass Pflege einsam machen kann, beobachtet Björn Uhr oft: „Isolation ist ein großes Problem für Pflegende. Außenstehende nehmen ihre Sorgen nicht wahr, loben sie mit Floskeln wie ‚Du schaffst das schon‘ weg. Da hilft es, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.“

Emotionaler Beistand

Eine erste Gelegenheit zum Austausch bieten die Pflegekurse, die Björn Uhr allen Pflegenden empfiehlt. Die AOK vermittelt zudem den Kontakt zu Gesprächskreisen und Selbsthilfegruppen. Besondere Angebote gibt es für Geschwisterkinder wie die der kleinen Marie, da sie in der Pflegesituation häufig zu kurz kommen.

Marlies Schröder hat sich vorgenommen, in Zukunft mehr auf sich selbst zu achten. Sollte die Hilfsbedürftigkeit ihres Mannes zunehmen, wird sie sich sofort wieder an ihren Pflegeberater wenden.

Dem liegt genau diese Botschaft an Betroffene auf dem Herzen: „Jeder hat einen Anspruch auf Pflegeberatung. Das gilt nicht nur für AOK-Versicherte. Also, rechtzeitig anrufen bei der eigenen Krankenversicherung und nicht erst, wenn es gar nicht mehr geht!“

* Die Namen der Pflegenden und Pflegebedürftigen haben wir zum Schutz ihrer Privatsphäre geändert.

Björn Uhr
Björn Uhr arbeitet als Pflegeberater bei der AOK NORDWEST und hat unter anderem selbst Pflegekurse gegeben. Durch seine frühere Tätigkeit für einen ambulanten Pflegedienst besitzt er 25 Jahre Erfahrung in der Pflege und der Angehörigenbetreuung.

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